Die ÖH-Wahl steht bevor und die Spitzenkandidaten treffen in der von Armin Wolf moderierten Elefantenrunde aufeinander. Mit den Inhalten kann sich auseinandersetzten wer will, spannender fand ich die Passgenauigkeit der Bundespartei-Ableger.

Da ist sie wieder, die ÖH-Wahl. Ich muss gestehen, in meiner aktiven Zeit als Hochschüler war sie mir in etwa so wichtig wie die Championsleague. Gibt’s halt. Mögen manche. Muss das? Sie interessierte mich nicht, damals war ich an einer FH und fühlte mich als neues Kind in der HochschülerInnenschaft nicht vertreten, auch hatten wir fakultätsintern effiziente Möglichkeiten der Studiengestaltung. Als großes Ganzes der österreichischen Hochschüler fühlten wir uns definitiv nicht. Damals kamen ÖH-Menschen zu uns aufs Land, versuchten uns zu begeistern. Aber so ist das am Land: Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Und schon gar nicht wählt er es.
Heute aber ist die Sache anders: Heute bin ich wieder Staatsbürger, der den Kontext sehen muss, das große Ganze, der bildungspolitisches Interesse an den Tag legt und bitte, denkt doch bitte mal einer an die Kinder? Die ÖH, quasi die StudentInnenkammer, hat die Macht, Dinge zu verändern, zu verbessern, zu verschlimmbessern, zu ruinieren. Das ist tatsächliche Politik, dazu aber später mehr.

Ich geb’s ja zu: Wenn es nicht die Elefantenrunde in der WU bzw. im ORF gegeben hätte, die tatsächlich in diversen Medien den Weg zu mir fand, ich hätte es auch heuer wieder verschlafen und als Randnotiz nach Stimmenauszählung wohl wohlwollend zur Kenntnis genommen, „Ach ja, die ÖH.“

Moderiert wird die Elefantenrunde mit den SpitzenkandidatInnen der 11 zur Wahl stehenden Fraktionen von Armin Wolf. Von einem Mann also, der Erfahrung mit politischen Akteuren jeglicher Couleur und Qualität hat. In seinem Warm-Up haut er Gags, Gags, Gags nur so raus. Er, der seriöse Journalist, dessen harter Interview-Stil maßgebend für politische Auseinandersetzung in Österreich geworden ist, lacht über seine 40 Semester und hat das Publikum eingestimmt auf das was es werden sollte: Ein politischer Abend, an dem es vielleicht nicht ganz so ernst zugehen muss, wie im ZiB2-Studio.

Ich persönlich finds ja ein bissl schade, dass das Team Stronach nicht antritt… aber es gibt ja, wie wir dann ja noch mitbekommen werden, eine andere Spaßpartei. – Armin Wolf

Die Inhalte, Werte, Ziele der antretenden Fraktionen und wie sich die Elefanten geschlagen haben, mögen an anderer Stelle detailliert aufbereitet sein, (studium.at, wienerzeitung.at na, da hat sich aber wer Mühe mit der APA-Meldung gemacht) mich überraschte etwas anderes.

Die politische Kaderschmiede funktioniert. Beinahe jede Bundespartei hat ihren ÖH-Jungspund. Und da ist wirklich interessant, wie sich diese sowohl rhetorisch, als auch in ihrer Gesamtheit präsentieren und ins Bundesbild fügen. Da sind die Grünen GRAS, die so ein bisschen unbeholfen, aber gutmeindend auf dem Podium umherstolpern und hoffentlich in ihrer Regierungsverantwortung sicherer und eloquenter auftreten. Da ist der SP-Junggenosse VSStÖ, der ein bisschen melodramatisch als alleiniger Retter der dunkelsten unserer Stunden daherkommen will. Da ist die VP-nahe AG, die zwar solide auftritt, aber dann doch einfach ein bisschen unsympathisch wirkt. Da sind die NEOS-Junioren JUNOS, die top vorbereitet, mit einem Lächeln, das jede Schwiegermutter himmelhoch jauchzen ließe, vor Selbstbewusstsein strotzen. Wenn’s ernst wird, wird aber schnell jovial und arrogant Neoliberalismus gepredigt und eigentlich ist man ja viel viel geiler als alle anderen.  Und zu guter letzt: Der FP-Spross RFS, ein Meisterstück in Sachen bundesparteilicher Imitation. Dieser besticht sowohl rhetorisch als auch inhaltlich mit einer Eloquenz, die vollbrünstig gegen die Profillosigkeit und Austauschbarkeit von (Jung-)Parteien antritt: Was wir hier sehen und hören kann nur aus der freiheitlichen Ecke kommen. Danke dafür.

Die anderen Fraktionen, die keine Bundespartei hinter sich haben, tun ihre Pflicht, heben sich, abgesehen von der Spaßpartei „Die Liste“ aber auch kaum von den anderen ab, Nuancen lassen sich wohl finden, persönliche Reibereien kann man erahnen, aber alles in allem: eigentlich gar nicht so aufregend. Muss ja auch nicht, ist ja tatsächlich Politik.

Schlagwörter: , ,

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *